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Plötzlich ein skrupelloser Abriss

HINTERGRUND / STADTPLANUNG / STRUBERKASERNE (2)

02/04/15 "Tatsächlich bleibt das gesamte Objekt mit seinen vier Bauteilen und einer Gesamtlänge von 177 Metern in ursprünglicher Gestalt und im Bestand erhalten; die Revitalisierung zur Umnutzung stärkt die bestehenden Qualitäten…" So hieß es noch 2012 im Gestaltungsbeirat in Sachen „Panzerhalle“.

Von Norbert Mayr

Rund ein Jahr später erfolgte ein radikaler Paradigmenwechsel. Der sei nun – so der Investor Marco Sillaber – „aufgrund der zahlreichen Auflagen richtig und vernünftig“. Nun wurde also ohne Rücksprache mit dem Gestaltungsbeirat skrupellos abgerissen. Sillaber und sein Partner errichteten im Wesentlichen einen Neubau, nur einige Prozent der Bausubstanz – die Außen- und Trennmauern zwischen den einzelnen Kompartimenten sowie rund vierzig Tore – blieben erhalten. Er kündigte am 9.7.2013 an: Bei der „Übergabe an die neuen Mieter wird die Halle [...] optisch die jetzigen hervorstechenden Attribute (Dachhaut, Ziegelwände, Nagelbinder - wo sichtbar - und Tore) aufweisen.“ Die Binder würden abgetragen und gelagert, danach – wo möglich – die originalen Binder bzw. in gleicher Bauweise erneuerte wieder eingesetzt.

Immer wieder betonen die heutigen Panzerhallen-Vermarkter die Spuren unter der amerikanischen Besatzung bzw. deren Erweiterung. Die Panzerhalle entstand aber als Teil einer militärischen Anlage im Dienste der autoritären, menschenverachtenden NS-Diktatur. Mit dieser historischen Dimension müsste der Investor bzw. Betreiber adäquat umgehen.

Dass die Projektentwickler die architektonischen und räumlichen Qualitäten derartig ignorieren bzw. eliminieren konnten, wurde durch das Fehlen von Schutzszenarien ermöglicht. Ohne Erhaltungsgebot der Stadt noch Denkmalschutz sind auch die Architekten in einer ungleich schwächeren Verhandlungsposition mit Bau- bzw. Feuerpolizei, die immer wieder gegen die Erhaltung von Holzkonstruktionen Stellung beziehen.

Heute gibt es kein Brett mehr von der alten Nagelbinderkonstruktion. Auf Sillabers Wunsch hin wurden weiß gefärbelte Nagelbinder-Fakes zwischen die Betonträger des Neubaus geflickt. Marco Sillaber spart massiv bei der Architektur- und Detailqualität ein. Er hat die Architekten nicht mit der Ausführungsplanung beauftragt.

Die Investoren lukrierten durch das Kuhhandel-Angebot, das eigentlich nur bei einer Erhaltung der Halle galt, tausende Quadratmeter mehr gebaute Nutzfläche. Waren sie noch Anfang 2012 mit einer Nutzungsflächensteigerung von 10.000 auf 15.000 Quadratmeter (ORF, Salzburg heute, 20.3.2012) zufrieden, so wuchs diese schließlich – inklusive dem sechsgeschoßigen Neubau (Arch. Christoph Scheithauer) anstelle des östlichen Viertels der Panzerhalle – auf 18.000. Sillaber verbreitet entsprechend dieser Milchmädchenrechnung keck: „75 Prozent der ehemaligen Panzerhalle (Kooperationsprojekt von hobby a., LP Architektur und Strobl Architekten) konnten erhalten werden.“

Nach der Entkernung – sie gilt in kultivierten Kommunen in Europa seit Jahrzehnten nicht mehr als zeitgemäße Erhaltungsstrategie – verdeutlicht das Ergebnis: Nicht Substanz und räumliche Großzügigkeit der atmosphärisch einzigartigen Haupthalle sollten erhalten, sondern möglichst viele Quadratmeter Nutzfläche lukriert werden. Die Stadt verschenkte die zusätzlich tausenden bebaubaren Quadratmeter, ohne sich nicht-kommerzielle, z.B. stadtteilspezifische Nutzungen in der Halle zu sichern. Heute müssten die rund 1000 Bewohner des benachbarten „Freiraums Maxglan“ mit einem 50 m² kleinen Gemeinschaftssaal beim Kindergarten auskommen. Die große Halle im Panzerhallenkomplex hätte durch den Widmungs-Abtausch unverbaut bleiben und öffentlich genutzt werden können. Bei einer moderaten Kubaturerhöhung hätten Investor und Öffentlichkeit gewonnen. Dafür wäre freilich ein Erhaltungsgebot rechtzeitig vor dem Verkauf notwendig gewesen, dann hätten klare Verhältnisse geherrscht. Von der Panzerhalle wäre ungleich mehr geblieben, mehr Substanz und Raum für die Allgemeinheit.

Die PR-Propaganda für die Eröffnung der Panzerhalle dieses Frühjahr läuft auf vollen Touren: Ein nostalgieschwangerer Vintage-Zeitgeist mag diese substanzlosen Dekorationen mit ein paar alten Resten bzw. Fakes feiern. Das Ergebnis ist jedoch eine Bankrotterklärung für den Schutz historischer Baukultur und für respektvolles Weiterbauen. (Ende)

Bilder: Norbert Mayr
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