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Ein Feenabend voll inniger Menschlichkeit

STIFTUNG / CHAARTS Chamber Artists / MÜHLEMANN

31/03/23 Ein Liederabend? Ein Arienabend? Jedenfalls Fairy Tales. Das Konzert im Großen Saal des Mozarteums hatte eine ganz eigene Qualität. Die fabelhafte Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann und das Ensemble CHAARTS Chamber Artists ließen Vertrautes neu klingen und luden zu Entdeckungen ein. Im Elfenreich.

Von Gottfried Franz Kasparek

Die Geschichten von den Feen begannen vor und nach der Pause jeweils mit Ausschnitten aus Jacques Offenbachs erfolgloser Oper Die Rheinnixen. Den Beginn kennt man natürlich als Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen, aber ursprünglich luden, ebenfalls verführerisch, die Nixen zum Elfentanz. Regula Mühlemann ersetzte hier einen ganzen Frauenchor und tat dies mit Geschmack, stimmlich und figürlich rank und schlank. Sofort aufhorchen ließ das auch in der Schweiz situierte, aber sehr internationale besetzte, elfköpfige Ensemble – ein Streichquartett, ein Kontrabass, je eine Flöte, Oboe und Klarinette, ein Fagott, ein Horn, eine Harfe. Das dramaturgisch klug komponierte Programm besteht ja fast nur aus im Original vom Orchester begleiteten Stücken, allerdings solchen von Monteverdi bis Britten. Der Arrangeur Wolfgang Renz hat aus den sehr unterschiedlichen Partituren immer das Wesentliche an Klangreizen herausgeholt, was bei farbig instrumentierter Romantik nicht so einfach ist. Und er hat noch dazu der Gesangsstimme mit sicherem Gespür mitatmende Begleitung beschafft. Die Musikerinnen und Musiker der CHAARTS Chamber Artists brauchen keine Leitung, sie hören wunderbar aufeinander und auf die Solistin.

Regula Mühlemann kennt man in Salzburg vor allem als erfrischend jugendliche Mozart-Interpretin mit einem lyrischen Sopran der Extraklasse, einer Stimme wie Samt und Seide. Ihr Repertoire ist aber sehr groß und so kam Mozart diesmal gar nicht vor – er hätte auch zum Treiben der Feen nicht gepasst. So folgten auf Offenbach zunächst Benjamin Britten mit den kunstvoll atmosphärischen Titania-Arien aus der Oper A Midsummer Night's Dream und Henry Purcell mit der noblen Juno-Arie aus The Fairy Queen. Großartig, wie „die Mühlemann“ (diese aus der Mode gekommene, als Erhebung in den Gesangsadel gedachte Formulierung drängt sich einem am Wiener Staatsopern-Stehplatz sozialisierten Menschen auf) mit größter Natürlichkeit alles in der Originalsprache artikulieren kann. Deutsch kommt nur bei Offenbach vor, denn Die Rheinnixen waren ein Auftragswerk für Wien. Norwegisch kommt einer Sängerin nicht alle Tage unter, aber Solvejgs Lieder und ein weiteres Grieg-Lied nach Ibsen, En svane (ja, der Schwan) erzeugten, gesungen in überirdischer, berührender Schönheit und Wahrheit, Gänsehaut. Dazwischen erfreuten, in beiden Konzerthälften, die CHAARTS Chamber Artists mit den rein orchestralen Teilen der Peer Gynt-Suiten in kongenialer Verdichtung.

Dafür, dass zum Beispiel der wohlige Streichersound der Morgendämmerung doch ein wenig fehlte, entschädigte die zupackende Modernität, welche die Kammerfassung der Halle des Bergkönigs verlieh.

Im Dunkel nahm das Ensemble nach der Pause auf dem Podium Platz und stimmte mit oft fast „wagnerischem“ und gleichzeitig früh-impressionistischem Klangzauber die Offenbach-Arie Alles hüllt sich in Dunkel an, während Regula Mühlemann singend gleichsam in den Saal schwebte. Wieder im Halbdunkel wirkte die Nannetta-Arie aus Verdis Falstaff, diese kapriziöse Beschwörung der „Ninfi! Elfi! Silfi!“, wahrlich wie ein aufs Feinste ziselierter Abendtraum im Süden. Ans Herz griff Monteverdis Lamento della ninfa, eine Apotheose des Liebeskummers. Da spielte neben der warm fließenden Sopranlyrik auch die Harfe eine Hauptrolle. Grandios, wie Wolfgang Renz den facettenreich schillernden Orchesterpart der Feenarie aus Massenets Cendrillon in aller Transparenz auf elf Instrumente übertragen hat. Die Interpretin würde man sehr gerne bald in dieser sensiblen Aschenbrödel-Variante á la France auf der Bühne erleben, ebenso als Dvořáks Rusalka. Denn nach einem hurtigen Flöten-Intermezzo aus Adolphe Adams Ballett La filleule des fées setzte die böhmische Märchenflöte fort und Regula Mühlemann sang, in absolut überzeugendem Tschechisch, das Lied an den Mond mit einer Inbrunst und innigen Klarheit, wie man es seit Lucia Popp nicht mehr gehört hat.

Moderiert hat den Abend der Cellist des Ensembles, Andreas Fleck aus Augsburg, mit Geist, Witz und Wissen – vorbildlich! Als Zugabe gab es ein Mendelssohn-Lied, Treue Liebe, und den Walzer der Julia aus Gounods Roméo et Juliette“. Wobei „die Mühlemann“ auch ihr stupendes Können der brillanten Fiorituren zeigen konnte. Stehende Ovationen – auf baldiges Wiedersehen!

Der Großteil des Programms ist als Sony-CD erhältlich.
Bilder: Shirley Suarez-Padilla; Mischa Christen (1)

 

 

 

 

 

 

 

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