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Kaffeesatzlesen aus Fairtrade Kaffee

KOMMENTAR

Von Reinhard Kriechbaum

19/12/18 Bei der Eröffnung der Jahresausstellung im Salzburger Kunstverein wird immer auch der Förderpreis des Landes für bildende Kunst vergeben. Diesmal geht er an zwei Künstlerinnen, Katharina Gruzei und Renate Hausenblas.

Die 1983 in Bayern geborene Renate Hausenblas lebt und arbeitet in Salzburg. Sie ist ausgebildete Mathematikerin und als Künstlerin Autodidaktin. In ihre Arbeit fließen Impulse ein, die sie in Kursen der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst aufgefangen hat. Sie greife „sowohl folkloristische als auch alltägliche Narrative auf und übersetzt diese in gesellschaftsrelevante Themen“, schreibt die Jury. Die Arbeiten führten „über das Künstlerische hinaus in politisch-soziale Dimensionen“. So sei Renate Hausenblas „zum Beispiel Mitbegründerin von Vereinen wie Zoris (Kaffeesatzlesen aus Fairtrade Kaffee).“ Diese Tätigkeit steht gewiss in einem fruchtbaren Kontrast zum Brotberuf der geförderten Künstlerin: Sie verdient mit dem Erstellen von Statistiken ihre Brötchen.

Jedenfalls kann man der Jury einen gewissen Sinn für Humor nicht absprechen. Der Jury gehörten an: Stefan Heizinger (Bildender Künstler & Kulturarbeiter, periscope, Vorstandsmitglied des Salzburger Kunstvereins), Andrea Kopranovic (Kunsthistorikerin, Kuratorin der Jahresausstellung 2018) und Martina Pohn (Kunsthistorikerin, Leitung der Kunstvermittlung MdM Salzburg). Es gab 43 Bewerberinnen und Bewerber um den mit 3.000 Euro dotierten und heuer geteilten Förderpreis.

Die andere Hälfte bekommt die gebürtige Kärntnerin Katharina Gruzei, ebenfalls Jahrgang 1983. Sie lebt und arbeitet in Linz und Wien. In ihren Arbeiten verhandle sie „oft komplexe Themen aus dem (Arbeits-)Alltag“, befindet die Jury. „So zum Beispiel unter rigiden politischen Regimen lebende Menschen, die dabei trotzdem für ein breites Publikum relevant, lesbar und sinnstiftend werden.“ Wie wir uns diese bemitleidenswerten, lesbaren und sinnstiftenden Mitgeschöpfe konkret vorstellen dürfen, wird nicht näher erläutert. Auf Aufklärung müssen wir relativ lange warten, denn die beiden Künstlerinnen bekommen Einzelausstellungen im Salzburger Kunstverein, aber erst im Dezember 2019 und im Januar 2020.

Interessant ist die Begründung der Jury, warum man sich für zwei Künstlerinnen entschieden hat: „Die Jury beschloss einstimmig beide Künstlerinnen mit derselben Fördersumme auszustatten und den Preis fair aufzuteilen, um damit auch die elitäre Vergabestrategie einer einzelnen 'Siegerin' kritisch zu umgehen.“

Als Steuerzahler, der letztlich solche Förderungen (in dem Fall ja zwei läppische Summen) finanziert, könnte man anmerken: Die Mindestanforderung an eine Jury wäre, in einigermaßen klaren, möglichst auch grammatikalisch herzeigbaren Sätzen ein anschauliches Bild von Förderpreisträgerinnen und ihren Arbeiten zu übermitteln. Semiprofessioneller Kuratoren-Schwurbel-Sprech ist jedenfalls weder den Künstlerinnen und ihren Anliegen und schon gar nicht den Adressaten welcher Kunst auch immer zuträglich. Wie war das doch mit dem Kaffeesatzlesen?

 

 

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